Schweizerische Tagung der
personalärztlichen Dienste
im Gesundheitsdienst

Die Hand an der Arbeit
Lausanne - CHUV
18-19 november 2004

Wissenschaftliche Tagung der
Schweizerischen Gesellschaft
für Arbeitsmedizin

Desinfektion der Hände und der Arbeitsflächen : ohne Risiken für die Gesundheit ?

C. Lazor-Blanchet, Institut Universitaire Romand de Santé au Travail, Lausanne

Hundertfünfzig Jahre nach den Erkenntnissen von Semmelweiss ist die Hygiene der Hände ein essentieller Teil der Krankheits-Prävention und des Schutzes von Patienten in Krankenhäusern geworden.

Im Laufe der Zeit sind die Verfahren zur Desinfektion von Händen, Instrumenten und Oberflächen im Pflegebereich einige Änderungen, einerseits aufgrund des Anstieges von gefährlichen Krankenhausinfektionen, andererseits wegen des Auftretens neuer Krankheitserreger einige Änderungen erfahren. Die anzuwendenden Produkte und Praktiken sind gut dokumentiert und verlangen häufig chemische Prozesse (Familie der Aldehyde, des quartären Ammoniums, der Alkohole und Oxidanzien etc.).

Die meisten aktiven Substanzen, die &endash; einzeln oder kombiniert &endash; für Desinfektionsmittel verwendet werden, irritieren die Schleimhaut, einige davon sind sensibilisierend.

Die Anwendung von Desinfektionsmitteln ist, neben dem Gebrauch von Handschuhen, der Hauptgrund für berufsbedingte Dermatose in Pflegeberufen. Die Dermatose wird durch wiederholt unsachgemässe Verwendung von Produkten begünstigt und oft durch individuelle Faktoren (Atopien) oder externe Einflüsse (Klima) verschlimmert. Flüchtige Bestandteile und Aerosole von gewissen Desinfektionsmitteln können zu einem Befall der Atemwege führen, was vor allem bei Auftreten von Asthma schwerwiegende Konsequenzen für die berufliche Weiterentwicklung nach sich ziehen kann. Gewisse Stoffe wie zum Beispiel Formaldehyd haben zusätzlich mutagene oder kanzerogene Eigenschaften.

Neben ihren gesundheitsschädigenden Wirkungen auf die Anwender von Desinfektionsmitteln, können Mittel, die zur Desinfektion von medizinischen Geräten verwendet werden, auch zu teilweise schwerwiegenden iatrogenen Unfällen bei Patienten führen: Die Literatur erwähnt Fälle von Reizungen der Trachea, von Keratitis, von Rekto-Kolitis sowie Fälle von Atemnot bei Säuglingen. Diese selten auftretenden unerwünschten Wirkungen sind häufig durch die Verwendung unpassender Produkte für das zu reinigende Material oder mangelhaftes Trocknen des desinfizierten Materials bedingt.

Da Desinfektionsmittel zur Prävention von Krankenhausinfektionen sowie im Kampf gegen diese unerlässlich sind, müssen sie Gegenstand einer globalen Evaluation und fortwährenden Wachsamkeit sein, damit Gesundheitsprobleme bei Anwendern frühzeitig erkannt werden können. Die Wahl eines Desinfektionsmittels muss &endash; vor allem bei der Friktion der Hände &endash; der Empfindlichkeit der Haut des Anwenders Rechnung tragen, einem Faktor der das Einhalten der Hygienepraktiken beträchtlich beeinflusst.