Schweizerische Tagung der
personalärztlichen Dienste
im Gesundheitsdienst

Die Hand an der Arbeit
Lausanne - CHUV
18-19 november 2004

Wissenschaftliche Tagung der
Schweizerischen Gesellschaft
für Arbeitsmedizin

Die Hand an der Arbeit, aktuelle und zukünftige Probleme aus dem Gesichtspunkt der SUVA

Dr. med. Erich Bär, Facharzt FMH für Chirurgie, Leitender Arzt, Versicherungsmedizin, Suva Luzern

Die Hand spielt in der Arbeitswelt auch heute noch die herrschende Rolle. Ihr breites Spektrum reicht vom grössten Kraftaufwand bei Handhabungen massiver Werkzeuge und schwerer Lasten bis zum eleganten Bedienen von CNC-Maschinen mittels Tastatur und Maus. Allerdings bezahlt sie ihre zentrale Rolle mit der höchsten gesundheitlichen Gefährdung unter allen Körperteilen: Sie ist Hauptleidtragende der Berufsunfälle; knapp einem Drittel der Berufsunfälle (31.3%) fallen bei der Suva Hände zum Opfer, wodurch jährlich (1998) 143 Millionen CFR direkte Kosten entstehen (knapp 17% aller Kosten). Unter den Prämiengrossgruppen tragen die Metall bearbeitenden Betriebe das höchste Gefährdungsrisiko, gefolgt vom Bauhauptgewerbe und den Holz bearbeitenden Betrieben. Verblüffend ist, dass sich im Lichte der Unfallstatistik die Forstbetriebe als harmloser für die Hand als Büros und Verwaltungen erweisen.

Die Gefährdungen der Hand lassen sich nach Massgabe des Leistungs- rechts der Unfallversicherer auf drei Klassen aufteilen: Berufsunfälle, un- fallähnliche Körperschäden und Berufskrankheiten. Unter den Unfallver- letzungen steht die Hand bei offenen Wunden, Prellungen bzw. Quet- schungen und Frakturen an erster Stelle, bei Verstauchungen, oberfläch- lichen Verletzungen und Verbrennungen bzw. Verätzungen an zweiter Stelle. Auch ohne Unfall im rechtlichen Sinne haften die Unfallversicherer für Sehnenrupturen, Bandläsionen und Ermüdungsbrüche. Die Berufs- krankheiten berücksichtigen in erster Linie die dermatologischen Schädi- gungen der Hand, namentlich Ekzeme und toxische Langzeitschäden, während sich für Sehnenscheidenentzündungen und Nervendruckschäden schwierige Abgrenzungsfragen gegenüber den Krankenkassen stellen. Solange keine Universalversicherung besteht, bilden solche kausalen Abgrenzungsfragen auch in Zukunft ein Problem für die Suva. Zur Illu- stration werden Pathogenesen von Bandläsionen, Tendinosen und Arthro- sen diskutiert. Als besonders knifflig stellt sich heraus, der Öffentlichkeit den Unterschied zwischen berufsassozierten Gesundheitsstörungen (BAGS) und Berufskrankheiten (BK) verständlich zu machen.

Auf dem Gebiet der Therapie engagiert sich die Suva für die moderne Knorpelchirurgie (Knorpelzelltransplantationen) sowie die Chirurgie der peripheren Nerven (nahtlose Verfahren). Sie setzt sich für Fortschritte der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie an der Hand ein, doch wendet sie sich gegen pure Revisionseingriffe, sogenannte Kaskadenoperationen und Palliativoperationen fraglicher Wirkung. Auf dem Gebiet der Präven- tion gilt weiterhin, die Zahl der Handschädigungen branchen- und exposi- tionsgerecht durch spezifische Schutzvorrichtungen und andere Massnah- men zu senken. Weiterhin ist die Suva daran interessiert, die Häufigkeit posttraumatischer Komplikationen herabzusetzen, namentlich der Infek- tionen und der Algodystrophie von Sudeck.